Bodenschutz

Boden ist die dünne Haut der Erde. Mit den natürlichen Bodenfunktionen sind Böden ebenso wie Luft, Wasser, Natur eine wesentliche Lebensgrundlage. Durch die Stellung des Bodens als Bindeglied zwischen Festgesteinsuntergrund, Grundwasser, Biosphäre und Atmosphäre nimmt der Bodenschutz eine bedeutende Querschnittsaufgabe wahr. Nahezu alle Planungs- und Bauvorhaben, selbst Renaturierungen an Gewässern und manche Naturschutzmaßnahmen greifen durch Versiegelung, Abgrabung, Überschüttung, Verdichtung oder Umlagerung in den Boden ein.

Vom Schwarzwald über das Heckengäu, das Korn- und Strohgäu bis zum Albvorland erstrecken sich die Naturräume im Kreis. Hier bildet sich ein nahezu kompletter Ausschnitt der südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft ab und bietet unterschiedlichstes Ausgangsgestein zur Bodenbildung. Unter dem Einfluss von Zeit, Klima, Geländeform, Flora, Fauna und Mensch laufen vielfältige bodenbildende Prozesse ab. In ca. 10.000 Jahren - seit der letzten Eiszeit – haben sich Böden verschiedenster Eigenschaften entwickelt.

Zum Beispiel tonreiche Pelosole aus Gips- oder Lettenkeuperverwitterungsmaterial, flachgründige, steinige Rendzinen aus Muschelkalkgestein, Braunerden und podsolige Braunerden aus der Verwitterungen von Stubensandstein, sehr fruchtbare, tiefgründige Parabraunerden aus Löss, vom Grundwasser geprägte Gleye in den Flussauen, um nur einige Bodentypen zu nennen.

Abbau-, Umbau- und Aufbauprozesse machen Böden zu einzigartigen Kraftwerken im Naturhaushalt. So regulieren Böden den Wasserhaushalt, filtern und puffern Schadstoffe aus Wasser und Luft, liefern und speichern Nährstoffe für Pflanzenwachstum und bieten Lebensraum für Mikroorganismen, Pflanzen, Tiere und uns Menschen. Funktionsfähige, unverdichtete Böden tragen zur Verzögerung des Oberflächenwasserabflusses und damit zum Hochwasserschutz bei. Der Schutz der Böden ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Bewachsenen Böden kommt eine deutliche Kühlfunktion zu. Über die Verdunstung (Evaporation) von Vegetation und funktionsfähigen Böden mit hohem Wasserspeichervermögen senkt sich die sommerliche Abendtemperatur deutlich spürbar (durchschnittlich ca. 4 Grad Celsius) ab. Zudem kommt Böden eine Schlüsselfunktion für die Speicherung von Kohlenstoff (Senkenfunktion) dar, bedingt durch die CO2-Speicherung im Humus. Der Schutz der Böden vor zunehmender Versiegelung, Überbauung, Verdichtung, vor Verunreinigung und vor Bodenverlust durch Erosion ist wesentlich für den Erhalt unserer Lebensgrundlage.

In einem dichtbesiedelten, wirtschaftsstarken Landkreis wie Böblingen besteht die Hauptgefährdung der Böden bzw. der natürlichen Bodenfunktionen in der zunehmenden Bebauung und Versiegelung.

Der Bodenschutz kümmert sich um den Erhalt der natürlichen Bodenfunktionen, den schonenden und sparsamen Umgang mit Böden, die Reduzierung von Eingriffen in Böden, die sinnvolle Bodenverwertung und Reduzierung von Bodenaushub den Schutz vor Verlust von Böden durch Erosion, die Überwachung des Bodenzustandes

Weiterführende Links:

Im Landkreis Böblingen finden sich größere Gebiete mit Lössböden zum Beispiel bei Sindelfingen, südlich von Renningen, im  Korngäu bei Bondorf, kleinflächiger auch bei Nufringen, Weil im Schönbuch usw. (s. Bodenkarte des LGRB 1:50.000) Auch im Landkreis Böblingen sind Lössböden sehr gefährdet durch die Ausweitung von Siedlungen. Würde es eine Rote Liste für Böden geben, könnte man durchaus die hochwertigsten Lössböden ganz oben auf diese Liste stellen, denn sie werden zunehmend überbaut und gehen für ihre wichtigen Funktionen im Naturhaushalt, z.B. als Wasserspeicher für den Hochwasserschutz sowie als ertragreiche Standorte für die Landwirtschaft verloren.